Die Angst vor Social Media.

Laden aufschließen, Computer starten, Kasse öffnen, entgangene Anrufe beantworten, ungelesene E-Mails beantworten, Social Media checken, Kalender checken *ding dong*
Die Tür geht auf und Freude strahlend kommen Kunden rein.
Eine junge Familie, gerade beglückt mit dem ersten Kind. Wir erkennen gleich ‚Die Drei lassen sich super fotografieren.‘, das Fotografenherz giert nach den Motiven die es schon vor dem inneren Auge sieht.

Noch einmal wird mit den Kunden eine Kundenberatung und Besprechung zu den Motiven abgehalten, dann werden die Kamera und Objektive gepackt und los fotografiert. Das Shooting verläuft, wie erwartet, super, die Kunden sind locker und fröhlich und die Motive, die sich schon in der Kamera auf den ersten Blick erhaschen lassen, vielversprechend.
Da das Kleine gerade eingeschlafen ist, entscheiden die Kunden direkt nach dem Shooting über die Bilder zu schauen und eine Auswahl zu treffen.
Wir starten den Auswahlcomputer in der kleinen Auswahlecke, schieben die Speicherkarte in den Kartenleser, laden die Bilder hoch und erkennen jetzt noch eindeutiger, die Bilder sind unfassbar schön, sie strahlen so viel Liebe aus, die Kunden sehen aus, als hätte man sie bei einem gemütlichen Familiennachmittag aufgenommen, sie lachen miteinander, sie kuscheln, sie kichern…hach, einfach zum verlieben.
Die Kunden setzen sich dazu und wir beginnen mit der Auswahl. Sie sind genauso zufrieden und verliebt in die Bilder wie wir.
Die Auswahl der Bilder fällt schwer, denn die Kunden haben sich ein Budget gesetzt, welches sie ausgeben möchten und bei den vielen Favoriten, welche sie bisher haben, kommen sie deutlich darüber.
Das ist der Moment, in dem das Fotografenherz höher und schneller schlägt, der Moment, in welchem man das Schaufenster behangen mit diesen Bildern vor sich sieht,  der Moment, in welchem man die Gesichter der Kunden vor sich sieht, welche das Fotoalbum bestückt mit diesen Bildern sichten und der Moment, in welchem man daran denkt, im Social Media würden tolle Resonanzen  dazu kommen.
Wir bieten also den Kunden an ‚Passt mal auf ihr Lieben, wie wäre es denn, wenn wir einen Deal machen, wir dürfen eure Bilder ausstellen und ihr bekommt dafür einen Rabatt. Ausstellen heißt Schaufenster, Fotoalben, Flyer..‘ die Kunden schauen erwartungsvoll und freudestrahlend und nicken, wir setzen fort ‚…Website und Social Media!?‘.
In diesem Moment ziehen die Gewitterwolken auf.
Die Kunden schauen plötzlich ganz bedauernd und traurig, schauen uns an und sagen ‚Also im Laden, Website und alles, finden wir völlig okay, aber Social Media…‘. Enttäuschung macht sich breit, doch Verständnis schwingt natürlich mit.
‚Wir haben gerade erst alles aus den sozialen Netzwerken gelöscht. Ich bin froh, da nicht mehr auffindbar zu sein‘. Auch bei dem Hinweis, dass man keine Namen nennt, oder Orte mit den Bildern taggt, bleibt es bei einem ‚Nein‘.

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In letzter Zeit erleben wir dieses Szenario immer öfter.
Und wir können es natürlich verstehen, doch wir merken, durch ein gut geführtes und gefüttertes Social Media passiert in unserem Geschäft viel mehr. Die Kunden lernen uns kennen, sehen ständig, beinahe täglich aktuelle Arbeiten von uns, auf welche man bei anstehenden Beratungsgesprächen verweisen kann.
Und nicht nur die Aktualität ist einer der Gründe weswegen wir darüber traurig sind, wenn wir unsere Fotos nicht im Social Media präsentieren können. Auch ein sofortiges Feedback von Kunden und Kollegen zu diesen Bildern ist für uns überaus wichtig. Man lernt anhand der Likes und/oder Kommentare auch direkt seine Kunden einzuschätzen, man merkt was den Kunden gefällt oder was vielleicht nur in unseren Augen interessant ist.

 

Natürlich ist eine aktuelle Website und ein schönes Schaufenster auch nicht zu unterschätzen, doch wir merken, dass über die sozialen Netzwerke auch die Kundenbindung eine komplett neue Bedeutung bekommt.
Man hat nicht mehr nur Kontakt, wenn man einen Termin vereinbart, oder sich zu einer Kundenberatung bzw. direkt zum Shooting trifft, sondern man schreibt sich zwischendurch ein paar nette Nachrichten mit Herzchen und Däumchen hoch, weil man Fotos von den Kindern sieht, welche man vor einem Jahr fotografiert hat und sie plötzlich so groß geworden sind.
Man kann sich gegenseitig noch unkomplizierter Ideen zu den bevorstehenden Shootings senden und miteinander vernetzen.

Wie schon geschrieben können wir die verschiedenen Gründe auch ohne Einschränkungen verstehen und nachvollziehen.
Und wir wollen auch auf keinen Fall pauschalisieren, was für ein Schindluder von verschiedenen Social Media Betreibern mit den Daten der Social Media Nutzer betrieben wird.
Dieser Blogeintrag soll auch weniger eine Mahnung an unsere Kunden sein, eher ein Appell und ein lautes „Danke für Nichts!“ an die Social Media Firmen.

Wir nutzen Social Media auch weiterhin sehr gern und sind dankbar für dessen Existenz und die kostenfreie Werbung, welche wir darüber haben. Doch dadurch, dass sich alle so an den Umgang mit diesen Plattformen und die regelmäßige Aktualisierung gewöhnt haben, stehen wir unheimlich unter dem Druck ständig neue und aktuelle Postings zu tätigen und immer online zu sein. Wenn jetzt jedoch immer mehr und mehr die Ausstellung auf diesen Netzwerken untersagen, fällt uns die Nutzung immer schwerer und das Ganze wird früher oder später dahin führen, dass das Social Media, so wie es jetzt existiert, einschläft.

 

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

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